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Wie ist das eigentlich
mit der KSK?

Wie ist das mit der Künstlersozialkasse (KSK) und Abgaben?
Wer muss den Betrag in Höhe von zahlen?
Und ist ein Künstler / Publizist eigentlich verpflichtet, auf die KSK-Abgabe hinzuweisen?

Folgende Informationen dazu:
Abgabepflicht besteht für alle Unternehmen, die regelmäßig Aufträge an freie Künstler oder Publizisten vergeben und deren Leistungen verwerten. Das bedeutet, dass immer eine Abgabe fällig ist, wenn von einem selbstständigen Künstler / Publizisten eine Leistung bezogen wird. Die Frage ist also, wer Künstler / Publizist im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes ist und wann Aufträge als "regelmäßig" gelten.
  • Künstler: jemand, der Musik, bildende Kunst oder darstellende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. 
  • Publizist: jemand, der als Schriftsteller, Journalist oder in ähnlicher Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt.
  • Selbstständig:  der Künstler/Publizist ist auf freiberuflicher Basis tätig, arbeitet also nicht als Arbeitnehmer für ein Unternehmen
  • Regelmäßigkeit: Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten gelten als regelmäßig, wenn die Summe der Entgelte aus den in einem Kalenderjahr erteilten Aufträgen 450 Euro  übersteigt oder  Veranstaltungen, im Rahmen derer künstlerische oder publizistische Leistungen präsentiert werden, öfter als vier Mal stattfinden und die Gesamtsumme aller Honorare an die externen Künstler / Publizisten 450 Euro  übersteigt
Im Anhang schicke ich ein Informationsblatt der KSK mit, aus dem ersichtlich wird, welche Tätigkeiten als künstlerisch oder publizistisch im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes gelten.
Im Anhang finden Sie zudem den Anmelde- und Erhebungsbogen zur Prüfung der Abgabepflicht und der Höhe der Abgabe.

Als abgabepflichtige Unternehmer kommen übrigens auch selbst selbständige Künstler oder Publizisten in Betracht, die künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen Dritter verwerten. Das heißt, dass zB auch Agenturen, die künstlerische oder publizistische Leistungen beziehen, Abgaben an die KSK leisten müssen - nicht nur deren Endkunden. 

Wie hoch sind die Entgelte und wie sind diese zu entrichten?
Die anfallenden Entgelte unterliegen der Abgabeschuld (vergleichbar mit Steuern). Diese Abgabeschuld ist wie eine Bringschuld zu verstehen; soll heißen, dass der Abgabepflichtige von sich aus die Entgelte abführen muss. Die Abgabepflichtigen sind gesetzlich verpflichtet, Aufzeichnungen über alle an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte zu führen. Es spielt übrigens keine Rolle, ob die Zahlungsempfänger "in der KSK" sind - sprich nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz versichert sind. Zahlungen an Nichtversicherte sind also ebenso aufzuzeichnen und zu melden wie zum Beispiel Zahlungen an im Ausland lebende Künstler und Publizisten. Die den Aufzeichnungen zu Grunde liegenden Unterlagen sind aufzubewahren, damit eine Nachprüfbarkeit gewährleistet ist. Abgabepflichtige Unternehmer haben fortlaufende Aufzeichnungen über die gezahlten Entgelte zu führen und den Trägern der Deutschen Rentenversicherung im Zuge ihrer Betriebsprüfungen auf Verlangen vorzulegen.

Zu zahlen ist die Künstlersozialabgabe auf alle Nettosummen, die auf den Rechnungen der Künstler / Publizisten aufgeführt sind, mit Ausnahme von Reise- und Bewirtungskosten sowie steuerfreie Aufwandsentschädigungen. 
Die Entgelte setzen sich konkret zusammen aus 
  • jeglicher Form der Bezahlung bei einem Gegengeschäft (Gagen, Ankaufspreise, Honorare, Tantiemen, Lizenzen, Zahlungen aus Kommissionsgeschäften, Sachleistungen, Preisgelder, Wettbewerbsgelder, Ausfallhonorare, Zuschüsse, Stipendien)
  • und zusätzlich sämtliche Auslagen und Nebenkosten, die einem Künstler oder Publizisten erstattet werden (Material, Transport, Telefon, nicht künstlerische Nebenleistungen)
Die Entgelte verstehen sich also als bestimmter Prozentsatz der Summe aus Bezahlung und Nebenkosten, der zur Rechnungssumme hinzukommt. Dieser Prozentsatz ändert sich jährlich und lag 2019 bei 4.2%. Dadurch, dass das Entgelt zur Rechnung hinzukommt, kann ich bei meiner eigenen Rechnungsstellung darauf keine Rücksicht nehmen, indem ich den Prozentsatz etwa in die Rechnung integriere. Sollte ich eine Rechnung schreiben, in der Leistungen künstlerisch sind und andere nicht, wird der Prozentsatz trotzdem auf die gesamte Rechnung erhoben. Daher macht es Sinn, keine "All-Inkl.-Rechnungen" zu erstellen. Bei der Aufteilung in "künstlerische Tätigkeit" und "nicht-künstlerische Tätigkeit" führt nur die Rechnung mit den "künstlerischen Tätigkeiten" zur Abgabepflicht.

Nicht in die Summe spielen hinein: Zahlungen an juristische Personen sowie  Kommanditgesellschaften und offene Handelsgesellschaften in den Punkten:
  • gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer,
  • steuerfreie Aufwandsentschädigungen (zum Beispiel die Reise- und Bewirtungskosten)
  • Übungsleiterpauschale nach § 3 Nummer 26 Einkommensteuergesetz.
Wo ist die Abgabepflicht gesetzlich geregelt?
  • § 27 Abs. 1 Satz 3 KSVG
  • § 28 Sätze 1 - 3 KSVG
  • § 29 Satz 1 KSVG
Wie groß ist das Risiko geprüft zu werden?
Siehe dazu: https://www.akademie.de/wissen/kuenstlersozialabgabe-ksk-pruefung/hintergrund-ksk-pruefungswelle
Die KSK-Abgaben werden nicht automatisch erfasst oder eingezogen. Bei einer Betriebsprüfung wird eine Beitragspflicht jedoch geprüft und gegebenenfalls für den Prüfungszeitraum (in der Regel die letzten 4 Betriebsjahre) nach berechnet. Am einfachsten ist es, wenn Sie sich über www.kuenstlersozialkasse.de anmelden.

Könnte ich eine komplette Rechnung als "nicht-künstlerische Tätigkeit" ausweisen?
Ja, das könnte ich machen. Damit würde ich aber mir selbst schaden. Je mehr Rechnungen ich als "nicht-künstlerisch" deklariere, desto weniger Umsatz erwirtschafte ich als Künstler. Wenn ich ein bestimmtes Mindestjahreseinkommen unterschreite, falle ich als Versicherter bei der KSK raus und habe keinen Anspruch mehr auf Leistungen. Hiervon sind bei mir Krankenkasse, Pflege- und Rentenversicherung betroffen. Umgekehrt falle ich auch dann aus der Versicherung heraus, wenn der Anteil meiner nicht-künstlerischen Tätigkeiten eine Obergrenze überschreitet.

Warum gründe ich dann nicht einfach eine GmbH und erspare meinen Kunden die Abgaben?
Die Künstlersozialabgabe ließe sich so umgehen. Stimmt. Aber zu einem hohen Preis: ich müsste künftig bilanzieren, wäre zur doppelten Buchführung verpflichtet, hätte Kammerbeiträge und Gewerbesteuer abzuführen, zudem würde ich meine Freiberuflichkeit verlieren. Die entstehenden Kosten würden die – lediglich dem Kunden zugute kommenden – Einsparungen um ein mehrfaches übersteigen und ihren Niederschlag in den Vergütungen finden.

Abgabepflichtig sind grundsätzlich folgende Unternehmenstypen:
Es gibt Unternehmen, die in besonderer Weise immer als Verwerter künstlerischer oder publizistischer Werke oder Leistungen gelten - egal, ob tatsächlich Aufträge an selbstständige Künstler / Publizisten vergeben werden. Dazu zählen:
  • Buch-, Presse- und sonstige Verlage, Presseagenturen (einschließlich Bilderdienste),
  • Theater (ausgenommen Filmtheater), Orchester, Chöre und vergleichbare Unternehmen,
  • Theater-, Konzert- und Gastspieldirektionen sowie sonstige Unternehmen, deren wesentlicher Zweck darauf gerichtet ist, für die Aufführung oder Darbietung künstlerischer oder publizistischer Werke oder Leistungen zu sorgen,
  • Rundfunk- und Fernsehanbieter,
  • Hersteller von bespielten Bild- und Tonträgern (ausschließlich alleiniger Vervielfältigung),
  • Galerien, Kunsthandel,
  • Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für Dritte,
  • Varieté- und Zirkusunternehmen, Museen,
  • Aus- und Fortbildungseinrichtungen für künstlerische und publizistische Tätigkeiten.